"Einmal von Brandenburg Hbf. nach Radewege"

- Ein Bericht aus dem Jahr 1953 -

(Durch Zufall bekam ich eine Kopie eines Zeitungsartikels in die Hand, in dem von einer Reise mit der Eisenbahn nach Radewege, ehem. Westhavelländische Kreisbahnen, im Jahre 1953 berichtet wurde. Leider war bis jetzt nicht nachvollziehbar, wann und in welcher Zeitung dieser Bericht abgedruckt wurde.)

 

Zitat:

>Es war ein kleines Abenteuer: Als in Radewege noch die Züge hielten

Auf Schienen durch das Westhavelland - Von einer fast vergessenen Eisenbahn

Von Eberhard Friedrich

 

Meine erste Begegnung mit dieser Bahn erlebte ich als ein kleines Abenteuer. Es war an einem Augusttag des Jahres 1953. Ich musste mich als junger Lehrer in meinem künftigen Dienstort Radewege dem Direktor der Schule vorstellen. Nach der Landkarte gab es eigentlich keine Probleme: Von Brandenburg war auf ihr eine Eisenbahnlinie eingetragen, die Radewege direkt berührte. Also los! Etwas verwunderlich war nur, dass man mir in meinem damaligen Heimatort Luckau nur eine Fahrkarte nach Brandenburg Hauptbahnhof ausstellte.

In Brandenburg Hauptbahnhof angekommen, ging es sofort zum Fahrkartenschalter, um die Fahrkarte nach Radewege zu lösen und nach der Verbindung dorthin zu fragen. Beides stieß auf Schwierigkeiten. "Die Fahrkarte erhalten sie im Zug, aber wie Sie zu der Strecke kommen, da muss ich erst mal nachfragen!" Nach kurzer Zeit erhielt ich den Bescheid: "Sie fahren mit der Straßenbahn in Richtung Görden und laufen dann am Silokanal entlang. Dann treffen Sie auf den Endpunkt der Strecke." Für mich waren das damals lauter fremde Begriffe. Also zur Straßenbahnhaltestelle, nachgefragt, eingestiegen in die Linie 4, und los ging die Fahrt ins Unbekannte.

 

Ein Marsch durch Ruinen

Noch standen die Ruinen in der St. Annenstraße. Nach längerer Fahrt riet mir ein freundlicher Fahrgast, erst hinter der Silokanalbrücke auszusteigen, dann sei ich gleich auf der richtigen Seite des Kanals. Auf freiem Feld stieg ich aus, Häuser sah man erst in einiger Entfernung. Etwa eine Viertelstunde dauerte der Marsch bis zu den Ruinen der Eisenbahnbrücke über den Silokanal. Ich musste nach oben steigen, da bot sich mir folgendes Bild: Ein eingleisiger Bahndamm zur linken Seite, geradeaus eine Auffahrt zu einem Lagerkomplex mit einem Pförtnerhäuschen und rechts die großen Lagergebäude, aber kein Bahnhofsschild. Meine Unsicherheit muss ein Mann in dem Pförtnerhaus bemerkt haben, denn er kam heraus und fragte mich, ob ich zur Bahn oder zum Lager wolle. Ich war froh zu wissen, dass ich hier also richtig war.

Aber von dem Nachmittagszug war noch nichts zu sehen, er sollte eigentlich schon abfahren. Verspätungen waren hier nichts Neues. Doch dann erscholl in der Ferne der Pfiff einer Lokomotive. Ich stieg die provisorisch angelegten Stufen zum Bahndamm hinauf. Der Zug kam zischend und schnaufend näher und hielt. Ein paar Reisende stiegen aus. Sie schlugen sofort den Weg zum Silokanal ein. Ich konnte jetzt einen Einblick in den Betrieb der Bahn erhalten. Der Zug drückte zurück in die Rangiergleise des Lagerkomplexes, dort wurden die beiden Personenwagen und der Packwagen abgehängt. Die Lok setzte um und rangierte die Güterwagen zu den Entladeplätzen der Speicher, danach setzte sich die Lok an die Spitze der Personenwagen, holte entladene Güterwagen aus dem Speichergelände, und erst jetzt wurde der Zug in das Streckengleis, an dem ich wartete, zurückgedrückt. Als einziger Fahrgast, und dazu noch als Fremder, wurde ich freundschaftlich befragt, wohin ich wolle. "Ach nach Radewege, dann sind Sie wohl der neue Lehrer." Auf dieser Strecke kannte man sich, und Neuigkeiten sprachen sich schnell herum.<

 

Brandenburg Silokanalbrücke,

89 6123 vor abfahrbereitem Zug Richtung Roskow,  

Slg. H. M. Waßerroth

 

>Endlich setzte sich der Zug in Bewegung. Häufig ertönten der Pfiff und das Läutewerk der Lokomotive, wenn Wege oder die Straße gekreuzt wurden. In Brielow-Freiheitsweg war wieder ein längerer Halt, denn hier wurde an der Maschinenfabrik rangiert. Der Zug bekam eine beträchtliche Länge von etwa 12 Wagen. Nun ging es etwas schneller voran. Brielow wurde passiert, in Radewege-Ziegelei wurde nicht gehalten. Der Beetzsee kam in Sicht, doch ehe man richtig schauen konnte, quietschten die Bremsen. Radewege war erreicht, nach rund 40 Minuten war ich am Ziel. Das war meine erste Fahrt auf der Strecke der ehemaligen Westhavelländischen Kreisbahn.

Die Geschichte dieser Bahn .... <  Zitat Ende, weiter geht es dort dann mit einem kurzen Rückblick auf die Geschichte der WHKB.

     

Quelle unbekannt

zitiert und ergänzt von H. M. Waßerroth    

  

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Vers. 1.0.3. vom 02.06.2017

© Harumi Michelle Waßerroth